Die Digitalisierung bedeutet auch für die Modewelt jede Menge Veränderung. Kleidung kann digital via 3D Druck hergestellt werden und sogar Models bekommen Cyber Konkurrenz. Der vorliegende Text stellt sich die Frage, inwiefern digitale Models tatsächlich schon die Werbewelt erobern konnten. Wie weit ist die technische Entwicklung von menschlichen Avataren? Und werden diese von Werbekunden akzeptiert und wirklich gebucht? Werden Cyber-Models den realen Menschen ersetzen oder sorgen sie einfach für mehr Diversität in der Modelbranche?

Was sind Cybermodels?
Was sind Cyber-Models?
Zunächst muss der Begriff und die Entstehung von Cyber-Models genauer betrachtet werden. Der britische, digitale Künstler Cameron-James Wilson kreierte das erste digitale Model „Shudu.“ Hierfür nahm er die Maße von einem realen Model, scannte sie mit Hilfe von Computerprogrammen ein und baute auf deren Grundlage den Körper und das Gesicht von Shudu. Sie hat bereits erste, reale Werbeaufträge zum Beispiel mit der Bekleidungsmarke Ellesse. Außerdem ist sie bei der ersten, digitalen Modelagentur „The Diigitals“, ebenfalls von Wilson ins Leben gerufen, unter Vertrag. Wie ein Topmodel verfügt auch Shudu über ein Portfolio aus Videoclips, Portraits und Ganzkörperaufnahmen sowie bereits ergatterten Kampagnen.
Ein erstes Argument gegen die Gleichwertigkeit von realen Models und Cyber-Models ist, dass letztere keinen öffentlichen Auftritten nachgehen können. Folglich könnten sie keine Interviews geben und an Red-Carpet-Events teilnehmen. Beide Contra-Argumente konnte Shudu-Erfinder Cameron-James Wilson entkräften. Shudu hat bereits eine Helferin gefunden, die sie im Umgang mit Medienarbeit unterstützt. Die Autorin und Storytellerin Ama Badu verleiht Shudu eine Stimme in der Öffentlichkeit. „I saw her as art, as Cameron’s way of expressing another form of his creativity. I loved that she was so dark, that her hair was so short,“ sagt Badu.1 Sie beschäftigte sich ausführlich mit Shudus afrikanischer Herkunft und entwickelte für Shudus erstes eigenes Interview Antworten, die ihrer kreirten Persönlichkeit entsprechen. Darüberhinaus absolvierte Shudu sogar ihren ersten öffentlichen Auftritt bei den Bafta Awards. Mit Hilfe von Google Pixel 3 und Chatbot Technologie half sie Gästen bei der Stilberatung und weiste sie auf die erschwingliche Version der Red-Carpet-Looks hin.
Das digitale Influencer nun schon ihren eigenen Autor bekommen, widerspricht der Annahme, dass sie keine Persönlichkeit haben könnten. Allerdings verweist dies, auf die erste Problematik. Charaktereigenschaften müssen erfunden werden, da sie nicht real entwickelt werden können. Auch äußerliche Aspekte wie das Älterwerden müssen künstlich hinzugefügt werden. Daher könnte man bemängeln, dass Cyber-Models wenig authentisch wirken und reale Menschen sich schlecht mit Ihnen identifizieren können.
Kritiker könnten davor warnen, dass durch die Gestaltung von digitalen Models ein negatives Körperbild entstehen könnte, da sie von Natur aus keine Makel wie Hautprobleme etc. haben. Wilson bekam diesbezüglich zahlreiche Rückmeldungen und entwarf Charaktäre mit weniger Makellosigkeit. „Brenn“ ist ein Plus-Size-Model afrikanischer Herkunft mit Dehnungsstreifen. Wie ihre Vorgängerin Shudu bekam auch sie einen realen Werbeauftrag für den Autohersteller Smart. Nicht nur Wilson entwickelt Virtuelle Influencer, neben Shudu sind auch das japanische Cyber-Model Imma, das Teenager-Digital-Model Noonoouri und die virtuelle Latina Lil Miquela erfolgreiche Werbegesichter.
Zu den Vorteilen der neuen Generation an Influencer-Models gehört auch die zeitlich- und örtliche Ungebundenheit und damit verbundene Flexibilität. Lange Flugreisen entfallen, was nicht nur kostengünstiger sondern auch umweltfreundlicher ist. Und sie können für verschiedene Kunden zur gleichen Zeit Modeln, da sie als Datensätze auf Rechnern laufen.
Dennoch ist die Umsetzung von Editorial Shots beispielsweise zeitlich aufwändig. Die Kleidung für Shootings muss bestellt und danach abgemessen und eingescannt werden. Allerdings kann der Shootingort frei am Computer generiert werden. Somit sind Shootings nicht mehr an Witterungsgegebenheiten gebunden.

Ausblick
Niemand kann bisher wissen, wie weit die Digitalisierung Einfluss auf die realen Models nehmen wird. Derzeit überwiegen die Vorteile der neuen Technologien, so lange mit diesen bewusst und behutsam umgegangen wird. Daher könnte man vorerst versuchen die Vorteile aus beiden Welten miteinander zu verbinden. Zum Beispiel könnte man heutige Werbeikonen digitalisieren, so dass sie auch nach ihrem Ableben weiter als Person des öffentlichen Lebens fungieren könnten. Digitale Models könnten erstmal als künstlerische Erweiterung eines klassischen Models gesehen werden, dass einem eine viel größere Gestaltungsfreiheit ermöglicht, als es ein Mensch je könnte.
Pro:
- Cyber-Models gleichen realen Models sehr
- Können sogar bei Events als Gäste eingeladen werden
- CO2 Einsparung da Anreise für Jobs entfällt
- Rund um die Uhr verfügbar
- Aktuelle Models und Promis können eingescannt werden, um sie auch nach dem Tod noch als Werbefiguren zu verwenden
- Das erste digitale Model hat bereits reale Werbeaufträge, ihre Nachfolger ebenso
- Können bei verschiedenen Shoots gleichzeitig modeln, da sie als Datensätze auf Rechnern laufen
Contra:
- Fehlende Authenzität, Charaktereigenschaften müssen erfunden werden, müssen auf künstlicheweise altern
- Können nicht in realen Kontakt mit Kunden und Fans treten